Integrierter Bericht 2017 – Auf in eine neue Zeit!

Naturschutz

Verantwortung für Tier- und Pflanzenwelt

Schienenwege und andere Betriebsanlagen, Gebäude und Flächen des DB-Konzerns bieten oft einen einzigartigen Lebensraum für geschützte Arten. Dort, wo Eingriffe in die Natur stattfinden, entwickeln wir umweltverträgliche Lösungen. Beim Neu- und Ausbau von Strecken sowie bei der Planung von Betriebsanlagen berücksichtigen wir die Interessen des Naturschutzes bereits in der Planungsphase. Sind Eingriffe in den Naturhaushalt nicht zu vermeiden, schaffen wir einen entsprechenden Ausgleich. Um Vögel und Kleintiere vor Stromschlägen zu schützen, über­arbeiten wir gemeinsam mit Naturschutzverbänden und Behörden die Richtlinie zum Schutz von Vögeln an Oberleitungsanlagen.

VDE 8 – grüne Achse zwischen Berlin und München

Die neue Strecke Berlin–München ist auch das größte Umwelt- und Naturschutzprojekt des DB-Konzerns. Ziel der verantwortungsvollen Umweltanalyse und -planung war von Projektbeginn an, Lebensräume von Tieren und PflanzenNR. 24 bestmöglich zu erhalten. Seit Baubeginn haben wir rund 200 Mio. € in den Umwelt- und NaturschutzNR. 96 investiert. Schon in der Bauphase haben wir kontinuierlich das Grundwasser kontrolliert, Lärmschutz für Anwohner geschaffen, abgebaute Erde und Steine ohne lange Transportwege für die Renaturierung eingeplant und geschützte Tiere umgesiedelt. Weit gespannte Talbrücken reduzieren die Eingriffe in die Landschaft auf ein Minimum. Die gut 8,6 km lange Saale-Elster-Talbrücke entstand im sogenannten Vorkopf-Vorschub-Verfahren und damit nahezu ohne Bauflächen in der Aue, zudem ruhte zur Vogelbrutzeit die Arbeit planmäßig jeweils für vier Monate.

Zur Fertigstellung der Strecke gehören rund 4.000 ha rekultivierte Landschaftsfläche, 600.000 neu gepflanzte Bäume sowie hunderte Nistkästen, Höhlen und Habitate für Vögel, Fledermäuse und Echsen. An der Unstruttalbrücke weiden Schafe zur Pflege der OrchideenwiesenNR. 24. In neu angelegten Nebenarmen von Gewässern entstanden Lebensräume für Amphibien, auf Magerwiesen bei Erlangen haben WildpferdeNR. 21 ein neues zuhause gefunden. Renaturierte Flussläufe des Mains und anderer Flüsse sowie Flutmulden zur Aufnahme von HochwasserNR. 96 leisten einen langfristigen ökologischen Bei­­­trag zum Erhalt der Landschaften.

DB-Flächen für Bienen

Seit dem Vorjahr stellen wir privaten Imkern brachliegende DB-Flächen für die BienenansiedelungNR. 10 zur Verfügung. Mehr als 1.100 Imker haben sich bislang beworben. Insgesamt konnten ihnen bereits 670 Flächen angeboten werden.

IT-Systeme zur Ermittlung von Berührungspunkten

Wir nutzen geografische Informationssysteme (GIS), in denen die Daten zu Bahnstrecken und -flächen sowie alle digital verfügbaren Informationen zu Schutzgebieten in Deutschland hinterlegt sind. So können wir schnell Berührungspunkte zwischen Natur und Bahntrassen sowie Flächen des DB-Konzerns ermitteln. Diese Erkenntnisse sind für unsere Planungen wichtig. In jedem Schutzgebiet gibt es unterschiedliche Einschränkungen und Auflagen, die in Schutzgebietsverordnungen be­schrieben werden. Diese sind in unserem System hinterlegt und werden bei der Planung von Bau- und Instandhaltungsmaßnahmen berücksichtigt.

Weitere Informationen

Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen

Bei Neu- und Ausbaumaßnahmen sowie bei der Instandhaltung der bestehenden Eisenbahninfrastruktur berücksichtigen wir den Naturschutz bereits während der Planung. Ziel ist es, Eingriffe in Natur und Landschaft möglichst zu vermeiden. Sollten dennoch Beeinträchtigungen auftreten, kompensieren wir diese durch Ausgleichs- oder Ersatzmaßnahmen. Alle RELEVANTEN DATEN NR. 59 zu diesen sogenannten Kompensationsverpflichtungen dokumentieren wir im webbasierten Fach­informationssystem Naturschutz und Kompensation (FINK). Damit erfüllen wir die vom EBA geforderte Berichtspflicht gemäß Bundesnaturschutzgesetz. Wir haben im Berichtsjahr 3.094 Kompensationsprojekte mit insgesamt 18.475 Maßnahmen, darunter 4.649 Maßnahmen zum Artenschutz, im System hinterlegt. Neben den jährlich neu festgelegten Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen werden unterjährig auch Daten zu Maßnahmen aus vergangenen Jahren nachgetragen.

Vegetationskontrolle für sicheren Bahnbetrieb

Bei der Vegetationskontrolle wenden wir weitgehend manuelle Verfah-ren an. Herbizide setzen wir in enger Abstimmung mit den zuständigen Behörden nur dort ein, wo keine herbizidfreien Verfahren zur Verfügung stehen. Aktuell werden Herbizide grundsätzlich nur im unmittelbaren Gleisbereich angewendet. Dieses Vorgehen haben wir in unseren Leit-linien zum integrierten Pflanzenschutz beschrieben. Im Gleisumfeld so­­­wie auf Bahnhöfen, Wegen und Plätzen wenden wir grundsätzlich herbizidfreie Verfahren an. Der Einsatz und die Menge von Herbiziden sind abhängig von der Witterung und der Vegetationsentwicklung. Die resultierenden Schwankungen führten im Berichtsjahr zu Aufwandsmengen von 67 t Herbizid. Die ausgebrachte Menge entspricht 1,20 kg/km Gleis. Bei einer Gleislänge von rund 60.500 km wurden im Berichtsjahr somit rund 93% der Gleise (im Vorjahr: 93%) mit den Wirkstoffen Flazasulfuron, Flumioxazin und Glyphosat behandelt. Diese Wirkstoffe sind vom BVL speziell für den Gleisbereich zugelassen.

Die Zulassung von Glyphosat wurde im November durch die EU-Kommission bis Ende 2022 verlängert. Bis dahin muss neu entschieden werden, ob der Herbizidwirkstoff weiter verwendet werden darf.

Um die Vegetationspflege entlang der Trasse möglichst umweltverträglich zu gestalten, haben wir eine Studie zur ökologischen Vegetations­­pflege an Bahnstrecken in Auftrag gegeben. Ziel der Studie ist die Ermittlung, Beschreibung und Gruppierung von typischen Biotopformen im Bereich von Böschungs-, Damm- und Einschnittsflächen an Bahntrassen in Deutschland. Daneben untersucht die Deutsche Umwelthilfe e. V. gemeinsam mit DB Netze Energie und weiteren elektrischen Netzbetreibern im Rahmen eines Bundesforschungsvorhabens die Möglichkeiten der biotopverbinden­­den Vegetationspflege unter Energiefreileitungen. Daraus wollen wir ablei­­ten, wie diese erhalten beziehungsweise weiterentwickelt werden können.

Vogelschutz an Oberleitungsanlagen

Neue Oberleitungsanlagen errichten wir so, dass VÖGEL NR. 33 vor Stromschlägen geschützt werden. Das erreichen wir, indem wir beispielsweise längere Isolatoren verwenden. Im Berichtsjahr haben wir erneut die Kurzschlussereignisse im Bestandsnetz dokumentiert und bewertet. Im Ergebnis werden rund 89% der rund 3.700 Kurzschlüsse im Zusammenhang mit Vögeln verursacht. Rund 8% entfallen auf kleine Säugetiere. Wir arbeiten an einem Konzept, wie die Anzahl der Kurzschluss­­ereignisse durch Vögel deutlich reduziert werden kann. Im Bestandsnetz haben wir pilotweise Kleintierabweiser installiert, um zu prüfen, ob eine Ausrüstung an Störungsschwerpunkten sinnvoll ist.

Wasserverbrauch wieder leicht gestiegen

Als Wasserverbrauch gilt der Bezug aus der öffentlichen Versorgung. 2017 ist der Wasserverbrauch im Vergleich zum Vorjahr im Wesentlichen durch gestiegene Wasserverbräuche im Nahverkehr in Deutschland und Europa leicht gestiegen. 

DB Cargo nur Deutschland. Ohne DB Regio Bus.
DB Schenker ohne Kontraktlogistiklager in Nordamerika ohne Rechnungskontrolle.

Ressourcenschonende Fahrzeugreinigung

Die Waschanlagen für Schienenfahrzeuge von DB Regio und DB Fern­verkehr verfügen überwiegend über ein Kreislaufsystem für das Wasch­wasser. DB Regio reinigt seine Züge in bundesweit 52 Waschanlagen, von denen bisher 30 durch geschlossene Neubauten ersetzt wurden.

Da Busse mit schwächeren Mitteln oder ohne Reiniger gesäubert werden, wird das Wasser in einigen WaschanlagenNR. 94 biologisch aufbereitet. Bei mehrfacher Verwendung des Wassers reduziert sich der Einsatz von Frischwasser um bis zu 80%.

Umweltmanagementsysteme ausgebaut

Unsere Umweltziele werden durch ein konzernweites Umweltmanagementsystem unterstützt. Wir orientieren uns dabei an der DIN ISO 14001, deren Anforderungen wir in unserem Konzernregelwerk verankert haben. Die konforme Umsetzung im Konzernregelwerk wurde uns von einem unabhängigen Institut bestätigt. Die Einhaltung und die Weiterentwicklung des konzernweiten Umweltmanagementstandards erfolgt durch den Konzernbereich Umwelt.

72% der umweltrelevanten Konzerngesellschaften setzen auf ein konformes Umweltmanagementsystem nach DIN ISO 14001. Diesen Anteil wollen wir auch in Zukunft weiter erhöhen.

Der Anteil »Unternehmen des DB-Konzerns mit zertifiziertem Um­­weltmanagementsystem« dokumentiert darüber hinaus die Umsetzung eines zertifizierten, richtlinienkonformen Umweltmanagements in unseren Konzerngesellschaften.

Anteil Unternehmen des DB-Konzerns
mit zertifiziertem Umweltmanagementsystem
nach ISO 14001
per 30.11. in %

2017

2016

2015

In Deutschland

56

57

In Europa (ohne Deutschland)

34

49

Weltweit (ohne Europa und Deutschland)

59

77

DB-Konzern

45

55

Seit 2016 bilden die »umweltrelevanten Unternehmen« die Basis für die Ermittlung des Anteils der zertifizierten Unternehmen.

Im Berichtsjahr wurden keine signifikanten Bußgelder oder andere Strafen wegen Umweltvergehen gegen Unternehmen des DB-Konzerns erlassen. 

Fahrtziel Natur

Die Kooperation Fahrtziel NaturNR. 37, getragen von Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU), Ökologischer Verkehrsclub Deutschland e.V. (VCD) sowie dem DB-Konzern, war erstmals Namensgeber für einen IC 2, der auf »Nationalpark Sächsische Schweiz« getauft wurde. Zudem beteiligte sich der Bayerische Wald als Gewinner des fünften Fahrtziel-Natur-Award unter anderem mit großen Wandbildern an der Umgestaltung der DB Lounge in Nürnberg.

Fahrtziel Natur