Integrierter Bericht 2017 – Auf in eine neue Zeit!

Ereignisse 2017

Investitions- und Modernisierungsprogramm fortgeführt #Bauen

Im Berichtsjahr wurden rund 7,5 Mrd. € in das deutsche Schienennetz investiert. Davon flossen rund 5,1 Mrd. € in die Erneuerung und Instandhaltung von zum Beispiel rund 1.650 km Gleisen, knapp 1.800 Weichen sowie rund 4.600 Anlagen der Leit- und Sicherungstechnik. Hinzu kommen 2,4 Mrd. € für zahlreiche Neu- und Ausbaumaßnahmen. Dies führte zu einer Vielzahl von Bautätigkeiten. Durch die Bündelung von Baustellen in Korridoren konnten die Auswirkungen auf den laufenden Betrieb begrenzt werden.

Um im Spannungsfeld zwischen Fahren und Bauen für alle Beteiligten optimale Lösungen zu finden, wurde ein runder Tisch Baustellenmanagement gegründet, an dem sich Vertreter der Branchenverbände, des BMVI, der BNetzA, der EVU, der Aufgabenträger und der DB Netz AG beteiligen. Die Bauprozesse und Baukommunikation, die Anreizsysteme sowie die wirtschaftlichen Regelungen zwischen den Beteiligten sollen schrittweise stärker auf ein fahrgastschonenderes Bauen ausgerichtet und die unvermeidlichen Folgen von Einschränkungen aufgrund von Bauarbeiten zwischen den Beteiligten neu geregelt werden. Konkrete Ergebnisse und Umsetzungsmeilensteine sollen im zweiten Quartal 2018 vorgestellt werden.

Mit dem Ziel, baustellenbedingte Verspätungen weiter zu reduzieren und die Stabilität im Schienennetz zu erhöhen, wurden zusätzliche Maßnahmen angestoßen. Unter anderem arbeitet das Lagezentrum Bau gemeinsam mit den Regionalbereichen an einer Optimierung und besseren Steuerung von Baumaßnahmen. Trotz eines Anstiegs der Baustellen sind die baubedingten Verspätungsfälle im Vergleich zum Jahr 2016 deutlich um 14% zurückgegangen.

Fortschritte bei Neu- und Ausbaumaßnahmen #Bauen

Eine Übersicht der wesentlichen Baumaßnahmen im Be­­richtsjahr ist auf folgender Karte dargestellt:

Inbetriebnahme Strecke Berlin – München

Am 10. Dezember 2017 erfolgte mit der Betriebsaufnahme der NBS Ebensfeld – Erfurt die Komplettierung des Verkehrs­projektE Deutsche Einheit Nummer 8 (VDE 8). Unter anderem verkürzt sich dadurch die Fahrzeit zwischen München und Berlin im ICE auf unter vier Stunden. Im Rah­­men des Projekts wurden zudem Teile der Ausbaustrecke (ABS) Ebensfeld – Nürnberg viergleisig ausgebaut. Auf der NBS Ebensfeld – Erfurt sowie auf der 2015 in Betrieb gegangenen NBS Erfurt – Halle/Leipzig wird die neueste Version des europäischen Zugsicherungssystems ETCS genutzt. In den Bahnknoten Halle und Leipzig sowie auf Zulauf­strecken finden noch umfangreiche Bauarbeiten statt. 

Baubeginn 2. S-Bahn-Stammstrecke München

Am 5. April 2017 erfolgte der Baubeginn für das Projekt und die Eröffnung des Infozentrums 2. Stammstrecke mit einer multimedialen Ausstellung. Derzeit laufen bauvorbereitende Arbeiten am Hauptbahnhof, am Marienhof und im Bereich West. Am Marienhof starten die Hauptbaumaßnahmen im Sommer 2018. Im Frühjahr 2018 beginnen am Hauptbahnhof im Bereich des Empfangsgebäudes die bauvorbereitenden Arbeiten. Die Hauptbaumaßnahmen beginnen dort Ende 2018. Rechtsgültiges Baurecht für den westlichen und mittleren Abschnitt liegt vor, für den östlichen Abschnitt sind noch zwei Klagen anhängig. 

Baubeginn Rhein-Ruhr-Express

Der offizielle Baubeginn im Projekt Rhein-Ruhr-Express er­folgte im März 2017 in Köln. Durch Ertüchtigungsmaßnah­men im Bestandsnetz konnte im Mai der erste Ab­­schnitt in Betrieb genommen werden. Zur Aufnahme erster Mehrverkehre ist der Ausbau weiterer Abschnitte erforderlich, für die noch kein Baurecht vorliegt. Der Ausbau im hoch aus­gelasteten Rhein-Ruhr-Raum kann aus Gründen der Kunden­verträglichkeit nur sukzessive jeweils mit Erlangung von Baurecht unter dem rollenden Rad erfolgen. Der Rhein-Ruhr-Express ist eines der Pilotprojekte im Rahmen des BIM.

Inbetriebnahme der ABS Hanau-Nantenbach

Mit der Inbetriebnahme des zweiten Gleises im Bereich Laufach auf der Umfahrung des alten Schwarzkopftunnels am 6. November 2017 wurde der durchgängige zweigleisige Betrieb zwischen Laufach und Heigenbrücken eingerichtet und der Regelbetrieb gemäß Fahrplan aufgenommen. Somit sind alle Arbeiten im Bereich der neuen Betriebsgleise ab­­geschlossen. Es laufen noch die Verfüllungsarbeiten im alten Schwarzkopftunnel und die erforderlichen Landschafts­­pflege­maßnahmen inklusive der Rückbauleistungen im Bereich der Baustraßen/Baustelleneinrichtungsflächen.

Wiederinbetriebnahme ABS Berlin – Dresden

Im Rahmen des Projekts der Wiederinbetriebnahme der ABS Berlin–Dresden erfolgten am 10. Dezember 2017 Betriebsaufnahmen der Streckenabschnitte Wünsdorf-Waldstadt – Hohenleipisch und Großenhain Berliner Bahnhof – Abzweig Kottewitz. Die Höchstgeschwindigkeit in diesen Abschnitten wurde auf 160 km/h angehoben. Damit wird eine neunminütige Fahrzeitreduzierung als weitere Stufe zur Reduzierung der Gesamtfahrzeit auf 80 Minuten erreicht.

Fortschritte bei Standardisierung der Instandhaltung #Digitalisierung

Um die Qualität der Eisenbahninfrastruktur zu verbessern, nutzen wir bei der Instandhaltung des Schienennetzes die Möglichkeiten der Digitalisierung.

Im Rahmen der »Standardisierung Produktionssystem Instandhaltung« (SPI) wurde der Dispositions- und Rückmeldeprozess der operativen Instandhaltung standardisiert und digitalisiert. Nach planmäßiger Beendigung der ersten Rolloutphase arbeitet nun bundesweit die Instandhaltungsorganisation im Fern- und Ballungsnetz mit digitaler Beauftragung und Rückmeldung. Als Teil des Programms OPEX startete im Berichtsjahr die zweite Phase des SPI. Dabei stehen die Vereinheitlichung von Arbeitsabläufen und Prozessen insbesondere in der Arbeitsvorbereitung und -durchführung, Produktivitätssteigerungen sowie Qualitätsver­bes­­serungen der Anlagen im Fokus. Pilotstandorte sind Pro­duktionsdurchführungen in Frankfurt und Würzburg; der flächendeckende Rollout begann Ende 2017 und wird bis Ende 2019 bundesweit abgeschlossen.

Rollout Weichenantriebsdiagnose #Digitalisierung

Um die Verfügbarkeit von Weichen zu optimieren, wird ein digitales Ferndiagnosesystem eingesetzt, mit dem potenzielle Störungen vor Eintritt erkannt werden können. Über die Diagnoseplattform DIANA erhält die Instandhaltung ein Indiz für eine mögliche Störung und kann diese präventiv beheben. Antriebsbedingte Störungen an Weichen sollen damit perspektivisch um bis zu 50% reduziert werden. Bis Dezember 2017 wurden rund 15.700 Weichen mit den Stellkraftdiagnosesystemen ausgerüstet. Die vorausschauende Instandhaltung über die Diagnoseplattform DIANA wird suk­­zessive auf weitere Bauteile ausgeweitet. 

Neue Notfalltechnik im Einsatz

DB Netze Fahrweg modernisiert in großem Umfang seinen Maschinen- und Fahrzeugpark (zum Beispiel Notfalltechnik, Messtechnik, Gleisarbeitsfahrzeuge). Von 2015 bis 2024 wer­­den dafür rund 660 Mio. € investiert. Ein wichtiger Bestandteil dieser Investitionsoffensive sind dabei Notfallkräne und Rettungszüge. Bis 2019 werden für rund 150 Mio. € alle Altfahrzeuge der Notfalltechnik ersetzt. Im Berichtsjahr wurden unter anderem ein Rettungszug in Würzburg und ein Instand­­haltungsfahrzeug in Leipzig in Betrieb genommen. 

Lärmabhängiges Trassenpreissystem unterstützt Umrüstung von Güterwagen

Das Lärmabhängige Trassenpreissystem (LaTPS) sieht einen Zuschlag für laute Güterzüge von derzeit 4% auf den regulären Trassenpreis vor. Güterzüge, die zu 90% aus Wagen mit leisen Bremssohlen bestehen, sind von der Zahlung aus­­genommen. In der Netzfahrplanperiode 2016/2017 wurden rund 17 Mio. € generiert, die vollständig der Finanzierung von Bonuszahlungen für EVU zugutekommt, die ihre Güterwagen auf leise VerbundstoffbremssohlenNr. 05 umgerüstet haben. Im Berichtsjahr haben wir für 2016 im LaTPS insgesamt 25.643 Anträge (für 2015: 11.025) zur Förderung lärmgeminderter Bestandsgüterwagen erhalten und positiv beschie­­den. Insgesamt wurden für die gestellten Anträge 4,4 Mio. € (für 2015: 2,3 Mio. €) als Bonus an die EVU ausgezahlt. Das LaTPS wird bis Ende 2020 bestehen. Über die gesamte Laufzeit ist das Programm erlösneutral.

Rechtliche Themen

Schienenkartellverfahren weiter anhängig

2013 konnten mit voestalpine und ThyssenKrupp Teilvergleiche über die Zahlung von Schadenersatz geschlossen werden. Im März 2016 haben wir mit der Stahlberg-Roensch-Gruppe und Constantin Stahlberg einen Teilvergleich ge­­schlossen. Mit der Moravia-Gruppe haben wir uns noch nicht auf einen Vergleich geeinigt. Nachdem bereits eine kommerzielle Einigung erzielt worden war, ist Moravia wieder von dieser zurückgetreten. Daher verfolgen wir die Ansprüche auf Schadenersatz gegen Moravia weiterhin mit einer Klage. Wir bemühen uns weiterhin um den Abschluss eines Gesamtvergleichs. Den größten Teil der Schadenersatzzahlungen führen wir an Bund, Länder und weitere Zu­­wendungsgeber ab, die zuvor ihre Ansprüche an uns abgetreten hatten. Da die betroffenen Schienenbeschaffungen zu einem erheblichen Teil aus öffentlichen Mitteln gefördert waren, sind wir bei der Erlangung von Schadenersatz vor allem im Interesse der Zuwendungsgeber tätig.